IOC streicht Nordische Kombination aus dem Olympiaprogramm für 2030
Große Enttäuschung im Deutschen Skiverband, im Skiverband Sachsen sowie an den Bundes- & Landesstützpunkten in Klingenthal und Oberwiesenthal: Das Executive Board des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat am Dienstag, 07. Juli beschlossen, die Nordische Kombination aus dem Programm für die Olympischen Winterspiele 2030 in den französischen Alpen auszuschließen.
„Wir sind schockiert. Diese Entscheidung nimmt vielen Athletinnen und Athleten, Trainern, Ehrenamtlichen und Vereinen ein Stück weit ihre Identität. Es ist noch gar nicht abzuschätzen, was dies für unsere Stützpunkte, unsere Leistungssportstruktur in Sachsen und unser Ski-Nachwuchssystem bedeutet.“ so SVS-Präsident Heiko Krause.
"Natürlich hätten wir uns ein anderes Ergebnis gewünscht", sagt Andreas Schlütter, Vorstand Sport im Deutschen Skiverband. "Wir respektieren die Entscheidung des IOC, auch wenn sie aus unserer Sicht nur schwer nachvollziehbar ist. Die Nordische Kombination ist eine unserer Kerndisziplinen und hat den nordischen Skisport über viele Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt. Gleichzeitig kommt diese Entwicklung nicht völlig überraschend. Jetzt gilt es, die Entscheidung in Ruhe zu analysieren und gemeinsam mit unseren Partnern die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dabei werden wir auch bewerten müssen, welche Auswirkungen sie mittel- und langfristig auf unsere Förderstrukturen haben kann. Unabhängig davon steht für uns fest, dass wir die Nordische Kombination weiterhin engagiert begleiten und ihr auch künftig eine sportliche Perspektive bieten werden."
Das IOC erklärte die Entscheidung mit den Ergebnissen einer weltweiten Studie, in welcher 14 Popularitätsindikatoren, darunter die TV-Abdeckung, die Zugriffszahlen in digitalen Medien und das generelle öffentliche Interesse erhoben wurden. Bei elf der 14 Indikatoren belegte die Nordische Kombination den letzten Rang unter allen Disziplinen. Zudem wurde kritisiert, dass die Disziplin von zu wenig Ländern aktiv und auf hohem Niveau betrieben wird. Über die vergangenen vier Ausgaben der Winterspiele konnten Athleten aus lediglich fünf Nationen Medaillen gewinnen.
Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sprach sein Bedauern über diese Entscheidung aus. „Ich teile die Enttäuschung der Athletinnen und Athleten, die über Jahre mit großer Disziplin, Leidenschaft und Entbehrung auf die Verwirklichung ihres olympischen Traums hingearbeitet haben und nun zunächst mit dieser Entscheidung leben müssen. Umso wichtiger ist es jetzt, gemeinsam mit allen Beteiligten neue Perspektiven für die Nordische Kombination zu schaffen und deren sportliche Zukunft nachhaltig zu sichern“, sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert.
Die Disziplin begeisterte durch ihre Vielseitigkeit seit den ersten Olympischen Winterspielen 1924. Eric Frenzel holte für den Skiverband Sachsen insgesamt 7 olympische Medaillen und wurde 2014 und 2018 Einzel-Olympiasieger. Die Norsiche Kombination ist nicht nur in Sachsen und in Deutschland, sondern auch international eine bedeutende Basis- und Ausbildungsdisziplin für Kinder und Jugendliche. In vielen Ländern ist sie ein Fundament der Nachwuchsentwicklung für andere nordische Sportarten wie das Skispringen und Langlaufen.
Unabhängig vom olympischen Status verfügt die Nordische Kombination weiterhin über ein etabliertes internationales Wettkampfsystem mit Weltcups und Weltmeisterschaften. Für den Deutschen Skiverband und den Skiverband Sachsen bleibt sie damit ein fester Bestandteil des nordischen Skisports. Und so blickt Horst Hüttel, Sportdirektor Nordisch im Deutschen Skiverband, bereits wieder mit Entschlossenheit voraus. "Unser Blick richtet sich jetzt nach vorne. Gemeinsam werden wir bewerten, welche Konsequenzen sich daraus ergeben und wie wir die Nordische Kombination künftig bestmöglich weiterentwickeln können. Dazu gehört selbstverständlich auch der enge Austausch mit den anderen führenden Skinationen sowie insbesondere mit der FIS."
Denn dass die Nordische Kombination in der Bewertungsmatrix nicht die erhofften Ergebnisse erzielen konnte, bedeutet keinesfalls, dass der Ausschluss aus dem Olympiaprogramm von Dauer sein muss. „Es gibt einen Weg zurück ins Programm der Spiele 2034 in Salt Lake City. Unter den Rahmenbedingungen unserer Fit-for-the-Future-Strategie kann sich jede Sportart und Disziplin von kommendem Jahr an einer neuen Evaluation stellen und sich für die Rückkehr bewerben“, so IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey.
In den kommenden Wochen wird der DSV die Auswirkungen der Entscheidung mit dem DOSB sowie in weiteren Gremien bewerten und sich gemeinsam mit der FIS und den internationalen Partnerverbänden für die Weiterentwicklung der Nordischen Kombination stark machen.
Auch der Skiverband Sachsen wird sich gegenüber den Entscheidungsträgern der Landespolitik und dem LSB Sachsen für eine Fortsetzung der bewährten Förderstrukturen einsetzen, um den Fortbestand der Disziplin und der sächsischen Leistungssportstandorte zu stärken.
Sachsen muss ein Aushängeschild des nordischen Skisports in Deutschland bleiben.
Gemeinsam mit der Nordischen Kombination.
Text: SVS
Foto: VSC Klingenthal